In vier Jahren ist es soweit: Die Bundesgartenschau 2029 im Oberen Mittelrheintal wird zahlreiche Gäste anlocken. Doch Hotellerie und Gastronomie sind nur dünn gesät; der Modernisierungsdruck ist groß. Impulse für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Hotel- und Restaurantgestaltung gab die Veranstaltung „Bauen für Gäste“ am 12. März in Bacharach, einem der vier Hauptbereiche der dezentralen Gartenschau. In inspirierenden Kurzvorträgen informierten Branchenexperten über die neuesten Trends.
17. März 2025
Auf dem Weg zur BUGA29: Bauen für Gäste

Foto: Kristina Schäfer, Mainz





Foto: Kristina Schäfer, Mainz
Zunächst ging Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz, auf die regionalen Besonderheiten des Gastgewerbes im Mittelrheintal mit seiner kleinteiligen Struktur, auf Stärken und Herausforderungen ein. Die primär inhabergeführten Hotel- und Gastronomiebetriebe gerieten angesichts des Strukturwandels in der Branche zunehmend unter Druck: steigende Betriebskosten, anhaltender Fachkräftemangel, eine im Bundesvergleich nur schwache Wachstumsdynamik (Mittelrheintal: 9,9 %, Bund: 27 %). Es brauche einen qualitativen wie quantitativen Turnaround mit einer neuen Investitionsdynamik und mehr zielgruppenspezifischen Angeboten. Leerstand müsse aktiviert, der Bestand aufgewertet werden. Die Potentiale seien groß, die Gastgeber authentisch und originell, so Haumann.

Foto: Kristina Schäfer, Mainz
Um ein neues Verständnis von Gastlichkeit als Serviceprodukt ging es im Vortrag von Katharina Dienes vom Fraunhofer IAO. Die Transformation des Gastgewerbes erfordere ein Zusammendenken der touristischen Destination als vernetzte Gastwelt mit einem Multi-Akteursnetzwerk – von Hotellerie, über Gastronomie, Kulturinstitutionen, Kleinbetriebe und Startups bis hin zur Stadtentwicklung. Denn Kooperationschancen und Synergien würden bislang zu wenig genutzt.

Foto: Kristina Schäfer, Mainz
„Los geht’s“ war das Motto des Impulses von Architektin und Innenarchitektin Carolin Seegmüller. Sie machte Mut, Projekte anzugehen und wies dabei auf die besondere Bedeutung des ersten Schrittes hin, der Vorbereitungsphase. „Nehmen sich Zeit für eine präzise Bedarfsermittlung, arbeiten sie Alleinstellungsmerkmale heraus und erzählen sie ihre Geschichte,“ war ihr Appell. Anhand der neun Leistungsphasen der HOAI erläuterte sie leicht verständlich, was die Aufgaben des Berufsstandes sind und wie er der Bauherrschaft während des gesamten Planungs- und Bauprozesses zur Seite steht. Dazu gab sie viele praktische Tipps, auch wo man sich Anregungen holen könne, wie beispielsweise beim Tag der Architektur am letzten Juniwochenende. Anhand der drei aus dem eigenen Büro mitgebrachten Projekte „Vinothek Weingut Meyer“, Hotel „Villa Delange“ und „Baumann & Müller“, allesamt Bestandsprojekte, demonstrierte Seegmüller eindrucksvoll, wie individuell Maßnahmen angegangen werden können. Dabei müsse nicht immer gleich viel Geld in die Hand genommen werden, manche Ideen ließen sich auch Schritt für Schritt realisieren.

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Fördermöglichkeiten, insbesondere für kleinere Unternehmen, stellte Jean Pascal Pilger (ISB) vor.




Auf großes Interesse stießen auch die Workshops im Anschluss. Mit je zwei Paten inhaltlich begleitet, boten sie die Möglichkeit, sich zu konkreten Strategien wie der Aktivierung von Leerstand, Pop-Up-Gastronomie oder der Modernisierung mit kleinem Invest inspirieren zu lassen. Eindrücke und erste Ergebnisse wurden anschließend der großen Runde vorgestellt. Neben den (Innen)Architekt*innen waren viele Hoteliers und Gastronomen aus der Region der Einladung nach Bacharach gefolgt. Weiter geht es mit einem regelmäßigen Stammtisch an verschiedenen Orten am Mittelrhein.